Mitteilung von Störungen

Geschrieben von Peter Klar

Für die Zusammenarbeit ist wichtig, dass die Teammitglied auch mit den Gedanken im Meeting sind. Schnell ist man abgelenkt und hängt anderen Gedanken nach. Oft gibt es einen Anlass (“Störung”) für die Abschweifung, der mit dem Verhalten im Team zu tun hat. Statt die Störung höflich zu ignorieren, bringt es das Team weiter, wenn die Störungen thematisiert werden.

Beschreibung

UnterstütztDauerEignungWerStufe
psychologische Sicherheit, Einfluss45eher TeamsCoachFortgeschritten

Ziele

  • Das Team lernt eine wichtige Kommunikationsregel: Störungen haben Vorrang (“Störungs-Postulat” nach Ruth Cohn).
  • Dabei erkennt das Team die Realität an: lebendige Menschen haben eine Störung, wenn sehr starke Gefühle (Angst, Ärger, Trauer, Freude, …) nicht ausgedrückt werden können. In der Folge sind die Teammitglied innerlich abwesend, apathisch, latent aggressiv, destruktiv, o.ä.
  • Durch das Aussprechen der Störung wird die Zusammenarbeit lebendig, kreativ und vertrauensvoll.

Ablauf

Die Übung besteht aus drei Teilen:

  1. Erklärung von Störungen und der Umgang damit
  2. Eine Gedankenreise
  3. Austausch zur Gedankenreise, Aussprache erster Störungen

Nachfolgend werden alle drei Teile ausführlich beschrieben.

Erklärung von Störungen und der Umgang damit

Erkläre, dass es um die wichtigste Kommunikationsregel geht: „Störungen haben Vorrang“:

  • Eine “Störung” erkennst du daran, dass du den Aktivitäten im Team nicht aufmerksam folgen kannst, wenn du nicht wirklich dabei sein kannst. Du bist dann in Gedanken woanders – schwelgst in Erinnerungen, hast Ideen für die Zukunft oder hängst Fantasien nach.
  • Dein Gehirn weicht dabei in andere Gedanken aus, weil du in der Regel im Team abgelenkt, gelangweilt oder genervt bist.
  • Es gibt also einen Grund für deine Störung. Auch wenn dieser Grund nichts mit dem Team zu tut hat, so wirken sie sich doch auf das gesamte Teams aus.
  • Gehe bei einer Störung wie folgt vor:
  1. Werde dir klar über den Grund deiner Ablenkung und welche Art der Störung vorliegt.
  2. Sei nachsichtig mit dir und versuche selbst den Anschluss zum Team wieder herzustellen.
  3. Wenn dir das nicht gelingt, dann lass dir vom Team helfen. Habe den Mut und unterbrich das Team, teile mit was dich stört. Denke daran, dass es anderen Teammitgliedern ebenso gehen könnte und diese dir dankbar für die Aussprache sind.
  • Das Ziel ist immer, dass du mit deinem Kopf, Bauch und Herz bei den Aktivitäten des Teams bist. Jede Stimme und jeder Gedanke im Team ist wertvoll, fehlen die Gedanken von einigen Teammitgliedern, werden wichtige Aspekte nicht ausgesprochen und die Diskussionen werden einseitig und uninspiriert. Am Ende leiden die Ergebnisse des Team darunter. Für das Team ist es also wichtig, kein Mitglied abzuhängen und zu verlieren. Dafür ist die Mitteilung der Störung so wichtig, weil nur die Person selbst die Störung bemerken kann.
  • Harmonie und Höflichkeit suggerieren, dass eine positive Stimmung herrscht. Der Eindruck ist jedoch trügerische, wenn einige Teammitglieder sich innerlich zurückhalten. Harmonie ist nur dann positiv, wenn kein Teammitglied eine Störung dabei hat. Harmonie und Höflichkeit zu wahren ist gefährlicher als auszusprechen, was die eigene Teilnahme verhindert.
  • Ist eine Störung ausgesprochen, versucht das Team einen Umgang zu finden, der allen die weitere Teilnahme ermöglicht. Dabei müssen nicht alle alten Geschichten aufgearbeitet und befriedet werden. Die Bearbeitung der Störung dauert nur so lange bis alle wieder ablenkungsfrei zur Team-Arbeit zurückkehren können. Es müssen nicht alle Aspekte final und restlos geklärt werden.
  • Manchmal genügt es einem Teammitglied bereits die Störung mitzuteilen, weil dies eine große Erleichterung darstellt. Dann sind keine weiteren Maßnahmen im Team nötig. Oft reich auch schon Kleinigkeiten um eine Störung zu beseitigen, z.B. lauter sprechen, eine kurze Pause, ein Fenster schließen, kürzere Monologe.
  • Am Ende der Erklärungen, lade alle Teammitglieder ein: “Störungen, wenn ihr sie bemerkt sofort mitzuteilen”.

Gedankenreise

Damit es nicht bei der Theorie bleibt, lade die Teammitglieder zu einer kurzen Gedankenreise ein, in der sie einer Störung im Team begegnen. Hier Anregungen, wie du die Gedankenreise anleiten könntest:

  • Jede Gedankenreise beginnt mit Entspannung. Setzt euch entspannt hin. Schließt die Augen. Atmet ruhig weiter, ein … und aus…. nochmal ein…. und aus… (beobachte den Entspannungsgrad der Teammitglieder)
  • Stell dir vor, du bist in einem Team-Meeting…. schau dich um, wer alles da ist…
  • Es gibt gerade eine heiße Diskussion. Beobachte das Team dabei, wie die Diskussion läuft. Was passiert, worüber wird gesprochen, wer hat das Wort? … (mind. 20 sec. Pause)
  • In einigen Augenblicken wird etwas eintreten, das dich sehr stört… warte ab, was das sein kann… (mind. 20 sec. Pause)
  • Die Störung hat dich voll erfasst, versuche wahrzunehmen, welche Gefühle du dabei hast…
  • Nun entschließt du dich, die Störung dem Team mitzuteilen. Hör dir selbst zu, wie du die Störung den anderen mitteilst und achte auf die Reaktionen der anderen – was sie sagen, was sie tun, … (mind. 20 sec. Pause)
  • Komm jetzt langsam wieder in die Wirklichkeit zurück und öffne deine Augen… (warte, bis alle Teammitglieder ihre Augen geöffnet haben)

Austausch

  • Lade alle Teammitglieder ein, über ihre Gedankenreise zu sprechen.
  • Die Eindrücke sind viel authentischer, wenn die Teammitglieder aus der persönlichen Ich-Perspektive in der Gegenwartsform sprechen. Beispiel „Ich habe plötzlich starke Kopfschmerzen. Ich kann nicht mehr klar denken und mich konzentrieren. Ich sage zu …“
  • Wenn keine weiteren Eindrücke geschildert werden, kannst du mit folgenden Fragen die Erkenntnisse vertiefen:
    • Wie gut habe ich bislang meine Störungen erkannt? Was stört mich?
    • Wie bin ich mit Störungen bislang umgegangen?
    • Was hält mich zurück, Störungen anzusprechen?
    • Welche Störungen wurden bereits im Team angesprochen?

Hinweise

Diese Übung ist sehr wichtig, vor allem für CORE-Teams. Wenn die Übung schon etwas zurück liegt, kann sie auch wiederholt werden.

Störungen gehören, wie Lachen, zu jeder Teamarbeit. Sie sind völlig normal und allgegenwärtig. Versuche dem Team diese “Normalität” zu vermitteln, damit die Aussprache von Störungen nicht durch Vorwürfe oder Rechtfertigen erfolgt.

Lass bei akuten Störungen, den Störer und den Gestörten einen guten Umgang miteinander aushandeln (z.B. mit einem knapp durchgeführten Fair Fight).

Wird die Übung zum ersten mal durchgeführt, so ist noch nicht sofort mit einer großen Anzahl an Störungsmeldungen zu rechnen, um so wichtiger, dass du jede Störung, die geäußert wird wertschätzt.

Quellen

Vopel, Klaus W. Interaktionsspiele. Teil 1. 13. Aufl. Lebendiges Lernen und Lehren 1. Salzhausen: Isko-Press, 2010.

Fragen und Kommentare

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