November 22

Bin ich als Führungskraft Teil meines Teams?

Allgemeines

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Bei Teamentwicklungen betrachten sich manch Führungskräfte als Teil des Teams, andere sind in völlig anderen Kreisen unterwegs uns sehen das Team nur einmal die Woche bei der Regelkommunikation. Weder das eine noch das andere Extrem funktionieren nach meiner Beobachtung gut.

Hier die kurze Antwort auf die Frage:

Die Führungskraft hat eine besondere Rolle; sie kann als besonderes Mitglieder der Gruppe gesehen werden, aber sie ist auf keinen Fall ein Mitglied in einem Core-Team[1].

Diese Antwort ist möglicherweise zu knapp um sie zu verstehen. Daher gibt es hier die Grundsätze, an denen sich Führungskräfte im Umgang mit dem Team orientieren können.

Unterscheidung von Gruppen und Teams

Zunächst ist es wichtig zu Unterscheiden, ob es sich beim eigenen „Team“ um eine Gruppe oder ein Core-Team[1] handelt. Oft lässt sich die Frage nicht einfach beantworten, weil es sich um Mischungen und Kombinationen von beidem handelt. Dazu kommt, dass sich die Einordnung nicht einfach ergibt, sondern auch gestaltet werden kann.

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Zunächst wird also das Team analysiert und schließlich die Team-Topologie ermitteln, die darstellt wie sich dein Team aus Gruppen und Core-Teams zusammensetzt. Falls du die innere Struktur deines Teams verstehen und entwickeln möchtest, dann kannst du das z.B. mit dem Online-Kurs „Reframe your Team“ tun.

Entsprechend dem Resultat der Team-Topologie ist auch die Frage nach dem Verhältnis der Führungskraft zum Team zu beantworten:

  1. Ist die Führungskraft Teil von Gruppen?
  2. Ist die Führungskraft Teil von Core-Teams?

Auf diese beiden Fragen gehe ich nachfolgend ein.

Ist die Führungskraft Teil von Gruppen?

Wenn deine Analyse ergeben hat, dass du eine Gruppe hast, dann bist du ein aktiver Teil davon.

Die Gruppenmitglieder haben ihre Aufgabenfelder in denen sie arbeiten und verantwortlich sind. Du trägst als Führungskraft die Verantwortung, dass die Resultate der Gruppenmitglieder zusammen passen und das Gesamtergebnis bilden.

Du achtest darauf, dass keine Arbeit liegen bleibt und auch, dass es keine Überschneidungen und Doppelarbeit gibt. Falls Unstimmigkeiten oder gar Streit darüber gibt, so bist du die Instanz, die für eine Lösung sorgen muss.

Beispiel: Wenn es beispielsweise darum geht einen Bericht zu erstellen. Dann würde die Führungskraft den Bericht in sinnvolle Teile zerlegen und für jeden Teil den passenden Mitarbeiter zuweisen. Die Mitarbeiter würden dann ihren Teil bestmöglich erstellen und die Führungskraft dafür sorgen, dass alle Teile einen stimmigen Gesamtbericht ergeben.

Die Führungskraft benötigt ein breites Fachwissen, damit sie die Zerlegung in Einzelteile, die Bewertung der Qualität der Einzelteile und schließlich die Integration der Einzelteile zum Ganzen bewerten kann.

Operativ behält die Führungskraft den Überblick, wie weit die einzelnen Teile sind. Ist also ganz nah am geschehen.

In diesem Sinn kann man die Führungskraft als Teil der Gruppe betrachten. Sie ist gesamtverantwortlich, operativ auf dem Laufenden und inhaltlich fit. Gleichzeitig hat die Führungskraft aber eine besondere Rolle in der Gruppe, die sie von anderen Gruppenmitgliedern deutlich unterscheidet.

Anders verhält es sich bei der Führung eines Core-Teams.

Ist die Führungskraft Teil von Core-Teams?

Diese Frage lässt sich einfacher beantworten, wenn wir uns die Definition eines Teams ansehen.

Was ist ein Team?

Die beste Definition, die ich für „Team“ finden konnte lautet:

DEFINITION: Ein Team ist eine Gruppe von Personen, die wechselseitig voneinander abhängig und gemeinsam verantwortlich sind für das Erreichen spezifischer Ziele ihrer Organisation.

Quelle: Van Dick, R & West, M.A. (2005): Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung

In der Definition stecken zwei wichtige Aspekte:

  1. die Teammitglied sind wechselseitig voneinander abhängig
  2. alle sich gemeinsam für das Erreichen spezifischer Ziele verantwortlich

Um den alltäglichen Begriff „Team“ von dieser spezifischen Definition eines Teams zu unterscheiden, verwendete ich im spezifischen Fall den Zusatz „Core“[1].

Ein Core-Team ist bei komplexen Problemstellungen einer Gruppe meist überlegen. Allerdings bei einfacheren Aufgaben auch nicht so effizient wie eine Gruppe. Das Team ist also nicht in allen Belangen einer Gruppe überlegen und auch nicht umgekehrt. Ich weise nochmal darauf hin, dass es wichtig ist seine Team-Topologie zu entwickeln (s.o.).

Rollenkonflikt der Führungskraft

Wenn die Führungskraft nun ein Teammitglied wäre, dann wäre sie – wie die anderen Teammitglied – für die gleichen Ziele mitverantwortlich. Gleichzeitig ist sie aber Vorgesetzter der anderen Teammitglieder, dies führt schnell zu Rollenkonflikten als Teammitglied und als Vorgesetzter.

Beispiel 1: Wenn sich zwei Teammitglieder nicht einig sind, dann werden sie von der Führungskraft eine Klärung erwarten. Wenn die Führungskraft diese Klärung vornimmt, dann hat sie mit der Entscheidung als Führungskraft die Verantwortung für den Streitpunkt übernommen. Damit schadet sie dem Team.

Beispiel 2: Eine Führungskraft übernimmt keine besondere Rolle innerhalb des Teams und verhält sich wie alle anderen Teammitglied auch. Diese Führungskraft wäre tatsächlich ein Mitglied im Team, doch dann vernachlässigt sie ihre Aufgabe als Führungskraft das Team weiter zu entwickeln.

Auch wenn eine Führungskraft theoretisch Teil eines Teams sein kann, so ist dies in der Praxis absolut nicht zu empfehlen.

  1. Weil es im Team für Verwirrung sorgt, wenn eine Person in zwei sehr unterschiedlichen Rollen agiert.
  2. Weil jeder im Team weiß, dass man von dieser Person eine Bewertung erhält und diese Person über die Karriere entscheidet. Auch, wenn die Führungskraft diese „Waffe“ nicht einsetzt und den Einsatz auch nicht plant, so beeinflusst die Existenz dieses Machtinstruments die anderen Teammitglied massiv (bekannt als „hidden gun effect“).

Die Führungskraft ist also nicht Teil des Core-Teams. Aber sie ist immer in dessen Nähe, nicht um inhaltlich Einfluss auf das Team zu nehmen – diese Verantwortung bleibt beim Team, sondern um die Entwicklung des Team positiv zu beeinflussen und Dysfunktionalitäten im Team (im Sinne von Patrick M. Lencioni, Die 5 Dysfunktionen eines Teams) zu vermeiden.

Fazit

Es ist gar nicht so einfach als Führungskraft seine Rolle zu finden und dann auch noch gut umzusetzen.

Hilfreich ist auf jeden Fall die Erstellung der Team-Topologie und dann ein angepasstes Verhalten gegenüber Gruppen und Core-Teams.

[1]: CoRe steht für collective responsible, also ein Team, das gemeinsam Verantwortung übernimmt.


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